Nachrichten und Satire aus Politik und Gesellschaft

ANNO 1404

Mit Anno 1404 bleibt die traditionsreiche Spieleserie ihrem Prinzip treu: Der Spieler legt mit einem Schiff voller Baumaterial an einer einsamen Insel an und errichtet dort im Laufe der Zeit eine kleine Kolonie. Wenn die Bedürfnisse der Siedler erfüllt werden, wächst die Stadt und die Einwohner steigen auf. Aus Bauern werden Bürger, Kaufleute und Aristokraten. Irgendwann ist das kleine Dorf am Ende der Welt zu einer prächtigen Metropole gewachsen, mit Denkmälern, Theatern und einer großen Kathedrale. So eine Stadt kann natürlich nur durch regen Handel mit weiteren Kolonien versorgt werden.

Eine solche Metropole ist auch im neuen ANNO noch ien Lebenswerk


Für manche Produkte, zum Beispiel Glas oder Mosaiksteine, muss der Spieler die eigene Flotte bis ans Ende der Welt schicken – in den Orient. Dort kann man aber nicht nur Handel treiben, um Glas und Gewürze zu erwerben, sondern auch eine Wüstenstadt gründen – der Schlüssel zu weiteren Rohstoffen, die für das Gedeihen der eigenen Bevölkerung unerlässlich sind. Für all das braucht es natürlich eine stattliche Handelsflotte. Die Steuerung der Transportwege ist dabei sehr übersichtlich gestaltet, sodass man auch bei vielen Kolonien nicht den Überblick verliert. Zum Schutz gegen Angriffe der Piraten braucht man eien schlagkräftige Armada von Kriegsschiffen, die per Mausklick den Handelsschiffen als Eskorte zugeteilt werden können. Die anderen Mitspieler sind aber sehr friedlich – wer im sogenannten Endlosspiel die Einstellung „leicht“ wählt, kann sich in aller Ruhe dem Aufbau einer florierenden Stadt widmen. Dazwischen muss man immer wieder ein paar kleine Aufgaben zu erledigen, zum Beispiel Schiffbrüchige retten oder Treibgut sammeln. Solche guten Taten bringen Ruhm, den man nicht nur braucht, um seltene Artefakte wie Saatgut zu erweben, sondern den man auch beim Sultan gegen Geld eintauschen kann - sehr hilfreich, wenn die Kasse mal wieder im Minus ist.

Wem das alles zu friedlich ist, der stellt den Schwierigkeitsgrad auf „schwer“. Jetzt sind die Gegner wesentlich aggressiver und müssen durch großzügige Geschenke und eine schlagkräftige Armada in Schach gehalten werden. Wer sich ihnen entledigen will, baut eine Truppe auf und führt Krieg. Der Militärmodus ist in Anno 1404 aber nur ein Mittel zum Zweck, die Zahl der Militärgebäude und Truppentypen ist sehr begrenzt. Wer gerne taktische Angriffskriege führt, wer Hinterhälte liebt oder mit Genuss und einer riesigen Truppe den Gegner überrollt, der ist mit einem Spiel wie „Cossacs“ sicherlich besser bedient.

Zusätzlich zum Endlosspiel gibt es, wie schon bei den Vorgängern, auch wieder eine große Kampagne. In der düster gestalteten Geschichte geht es um Kreuzzüge, um skrupellose Kardinäle und um einen Krieg zwischen Orient und Okzident – den sie verhindern müssen. Hoffnungen weckt auch der geplante Editor, mithilfe dessen erfahrene Computernutzer neue Missionen basteln und diese online bereitstellen können.


Am Horizonerscheinen die Lichter des Orients


Die Spielgrafik ist großartig, entsprechend hoch sind die Systemanforderungen: 3 Ghz- Prozessor und eine gute Grafikkarte sind das mindeste – für die höchste Qualitätseinstellung reicht das zwar noch nicht, hübsch anzusehen ist die Anno-Welt aber auch dann schon. Besondes schön betrachten lässt sich das alles mit dem sogenannten „Postkartenmodus“. Die Kamera schwenkt dann tief ein und verfolgt das markierte Objekt. Allerdings sollte man sich nicht zulange mit dem Betrachten der Szenerie aufhalten, denn das Spiel läuft weiter und die Stadtbewohner werden bald mürrisch, wenn ihre neu entstehenden Bedürfnisse nicht erfüllt werden.

Fazit: Elf Jahre Entwicklungserfahrung seit der Veröffentlichung des ersten Anno- Spiels machen Anno 1404 zu einem guten, durchdachten Spiel, das sowohl für gemütliche Gelegenheitsspieler als auch für gnadenlose Zocker bestens geeignet ist.

Nervig ist nur der Kopierschutz, der die Anzahl der Installationen auf drei begrenzt und deshalb eine Registrierung im Internet notwendig macht. Wer das Limit erricht hat, kann sich aber an den Support von Ubisoft wenden- denn nach deutschem Recht ist eine Limitierung der Installationen gar nicht erlaubt.

Wir machens wenns drauf ankommt!

Eine Satire über die Kontrastlosigkeit der Volksparteien

Im Saarland sind Ende August Landtagswahlen. Für mich als pflichtbewussten Bürger ist das eine schwierige Entscheidung. Vielleicht hilft ja ein Blick auf die Slogans der beiden Volksparteien: Auf der einen Seite steht die CDU, mit einer klaren politischen Ansage: „Wenns drauf ankommt“.

Gegenüber die Genossen von der SPD, die mit erhobenen Köpfen rufen: „Wir machens“.

Wow.

Die geballte Mannskraft hinter diesen Aussagen haut mich um. Voll auf den Bordstein, das gibt eine Beule. Nachdem ich mich wieder halbwegs berappelt habe, versuche ich die politische Botschaft hinter diesen Botschaften zu analysieren. „Wir machens“ sagt der SPD- Mann auf dem Plakat. Für wie viel? Und vor allem: Alle zusammen oder einer nach dem anderen? Und machen die es einem auch ungefragt, ich meine, auch dann, wenn man sagt:„Nein, nicht jetzt, ich hab Kopfweh.“? Ziemlich unangenehmer Gedanke, nachts einem alternden Genossen auf der Straße zu begegnen. Vor allem als Frau.

Sowieso, als Frau, da wüsste ich was ich nehme: Einen CDU’ler, der immer dann kommt, „wenns drauf ankommt“. Ich meine, vor allem nicht zu früh …kommt. Das wäre dann ja durchaus in meinem Interesse. Übrigens ist es kein Wunder, dass die Schwarzen nie zu früh kommen, bei dem Altersdurchschnitt. (Wobei die Vergreisung ja nicht nur in der CDU ein Problem ist. Auch in den meinsten anderen Parteien sieht man mittlerweile mehr Glatzen als in der NPD.)

Aber zurück zum Thema.

Viele Leute beschweren sich, dass die Programme der Volksparteien zu einheitlich wären. So ein Quatsch! Die politischen Positionen (das erkennt man doch schon an den Slogans) sind meilenweit voneinander entfernt!

Fragen sie Peter Müller, seit Jahr und Tag begeisterter Büttenredner und deshalb auch saarländischer Ministerpräsident. Er wird ihnen sagen, wo die CDU steht. „Wenns drauf ankommt“, wird er sagen, dann stehen wir rechts von der SPD, wir sind die Partei der Mitte.“ Und wenn sie zu Heiko Maas gehen, dank Mangel an Alternativen immer noch saarländischer SPD-Chef und Dauerverlierer gegen Peter Müller, dann bekommen sie zu hören: „Wir machens links von der CDU, nämlich in der Mitte.“

Das ist schön.

Paul Potts RELOADED

Kennen sie Paul Potts? Vielleicht aus der T-Mobile- Werbung. Vor zwei Jahren wurde er berühmt, als er in der britischen Fernsehshow “Britain’s got Talent” „Nessun Dorma“ von Puccini sang und die Zuschauer zu Tränen rührte. Noch als er auf die Bühne trat, hatte man ihn ausgelacht, diesen ungepflegten, dicklichen Handyverkäufer, dem man seinen niedrigen sozialen Status deutlich ansehen konnte. Die Jury hatte ihn verspottet und das Publikum hatte ihn ausgelacht. Und dann sang er; und diese zwei Minuten machten ihn zum Star. Am nächsten Tag waren die Zeitungen voll davon, eine CD folgte, Interviews und weitere Auftritte in Fernsehshows. Die Menschen waren fasziniert von seiner Geschichte, von diesem Wunder, das ihn vom Tellerwäscher zum Millionär machte. Und auch die Produzenten von “Britain’s got Talent” verdienten sich eine goldene Nase.

Jetzt scheint es als hätten diese beschlossen, dass es mal wieder Zeit ist, die Show mit einem hässlichen Entlein zu würzen: Am 16. April betritt Susan Boyle die Bühne. Sie ist dicklich und ungepflegt, man könnte meinen, sie ist die Schwester von Paul Potts. Und die Szenen wiederholen sich. Die Jury fragt spöttisch, warum es denn mit der Karriere bisher nicht so geklappt habe. Dann singt Frau Boyle ihren Song („I dreamed a dream“ aus „Les Misérables“) und das Pulikum liegt ihr zu Füßen. In der Jury fließen Tränen und am nächsten Tag werden die Zeitungen wieder berichten.

Schon bei Paul Potts hatte die Sache ein wenig “Gschmäckle”: Natürlich war schon vorher klar, dass dieser Mann überraschen wird. Die Produzenten der Show haben ihn ausgewählt, aus tausenden von Bewerbern. Sein Aufritt war geplant bis ins Detail. Das alles ist normal und noch kein Grund, den Durchbruch von Paul Pott zu verachten. Aber wenn die Produzenten von “Britain’s got Talent” jetzt einfach seinen weiblichen Doppelgänger auf die Bühne stellen, und alles läuft genau so ab wie damals vor zwei Jahren, dann riecht das doch sehr nach einem billigen Plagiat.

Trotzdem liegen die Briten Susan Boyle zu Füßen, genauso wie sie es bei Paul Potts getan haben. Und die Medien erzählen wieder einmal die Geschichte vom hässlichen Entlein, das durch einen einzigen Song zum Schwan wird. Es ist erstaunlich, wie gut die Masche funktioniert, auch beim zweiten Mal. Müsste das Publikum sich nicht gelangweilt abwenden, den Fernseher ausschalten und sich aus dem Sessel erheben, mit dem Kommentar, dass das doch alles abgesprochen und geprobt sei?

Stattdessen beweist die Reality Show ein weiteres Mal ihre Anziehungskraft: Ja, wir haben das alles schon gesehen, und ja, es ist ein abgekartetes Spiel, natürlich haben die Ressigeure gezielt nach einem Menschen wie Frau Boyle gesucht. Aber was ändert das denn daran, dass hier jemand mit knapp 50 Jahren endlich seinen Traum verwirklicht hat? Diese Show spiegelt die Sehnsüchte und Wünsche der Menschen wieder, nicht anders als „DSDS“ oder „Germany’s next Topmodel“. Das Fernsehen gibt den Menschen das Gefühl, dass jeder es schaffen kann. “The American Dream” ist eine Illusion. Aber solche Sendungen lassen uns für ein paar Moment den Alltag vergessen- da ist es ziemlich egal, ob das „Wunder“ nun echt ist - oder nicht. Finden wir uns damit ab.

Die Krise war vermeidbar

Viel mehr ist über Wirschaftskrisen, Euphorie und Panik geschrieben worden, als wir auch mit dem umfassendsten Intellekt zu verfolgen mögen, aber eine Sache ist sicher, dass nämlich zu bestimmten Zeiten viele dumme Menschen eine sehr große Menge dummen Geldes halten [...]
Zu gewissen Zeiten ist das Kapital dieser Leute [...] besonders groß und anlagebedürftig; es sucht jemanden, der es verschlingt und es entstehen “neue Anlagemöglichkeiten”; es findest diese, es blüht die “Spekulation”; es wird verschlungen und es gibt eine “Panik”

Walter Bagehot, englischer Finanzjournalist

Erstens: Geiz ist geil

Warum Verschwendung nicht reich macht.

Auf den ersten Blick sieht es aus wie eine gelungene Konjunkturmaßnahme: Die deutsche Autowirtschaft hat Probleme mit dem Absatz. Also beschließt man 2500 Euro für jeden, der sein altes Auto verschrottet und dafür ein neues kauft. Die Bürger sparen Geld, die Autohändler verdienen sich schwindlig und sogar die Bundesregierung verzeichnet ein kurzfristiges Plus, weil die zusätzlichen Mehrwert Steuer einnahmen die Ausgaben deutlich überwiegen.
Trotzdem hat die Sache einen faden Beigeschmack. Da wandern tausende Autos in die Presse, die alles andere als schrottreif sind, die vielleicht noch einige Male durch den TÜV gekommen wären. Früher kauften afrikanische Händler die alten BMWs  und Mercedesse und verschifften sie in Containern gen Süden. Dort wurden sie dann komplett renoviert um dann anschließend noch einmal zehn Jahre lang über staubige Sandpisten zu fahren. Die Afrikaner bekommen jetzt keine Autos mehr.  Statt ihnen kauft der deutsche Staat die alternden Karossen. Und verschrottet sie. Wertvolle Ressourcen und hunderte Stunden menschlicher Arbeit werden mit staatlicher Unterstützung vernichtet. Hinter diesem Irrsinn steckt der Glaube an das Wachstum. Wachstum um jeden Preis, auch wenn es gar keine Nachfrage gibt: 2008 besaßen 82 Millionen Deutsche 100 Millionen Mobiltelefone.
Jahrzehntelang haben Umweltschützer, Wirtschaftswissenschaftler und Stammtischphilosophen davor gewarnt, dass grenzenloses Wachsen nicht möglich ist. Gleichzeitig basiert unser Wirtschafts- und Finanzsystem auf der Annahme, dass es immer so weiter geht. Die Faustregel lautet: Bei einem Wachstum von weniger als zwei Prozent steigt die Arbeitslosigkeit. Also brauchen wir Konsum. Mehr Konsum, jedes Jahr. Beim letzten Aufschwung blieb in Deutschland die erwartete Konsumwelle aber aus. Die Bürger wollten ihr Geld lieber sparen.
Andes in Amerika. Dort kamen schmierige Banker auf eine scheinbar geniale Idee.  Sie gaben tausenden amerikanischen Hausbesitzern Kredite, wobei deren Eigenheime für die Gläubiger dienten als Sicherheiten dienten. Dank dieser sehr zweifelhaften Geschäfte schwammen viele amerikanischen Familien jetzt plötzlich im Geld, mit dem sie die Weltwirtschaft befeuerten. Das System schien gut zu funktionieren, alle waren glücklich und die Banker klopften sich in Dubai beim Golfen gegenseitig auf die Schultern. Aber dann stiegen in Amerika die Zinsen. Viele Haushalte waren nicht in der Lage, die gestiegenen Raten zu bezahlen. Als Pfand kassierten die Banken die Häuser und versteigerten sie. Das Angebot an leerstehenden Immobilien wuchs rasant und ließ die ohnehin überhitzten Preise einbrechen. Die als Sicherheiten gedachten Eigenheime waren jetzt plötzlich wertlos, die Banken verloren Milliarden. Der Rest ist bekannt.
Schulden machen nicht reich. Im Gegenteil:  Dagober Duck ist nicht nur für seinen unermesslichen Reichtum bekannt, sondern auch dafür, dass er einen Teebeutel gerne mehrfach verwendet. “Wenn du immer genug Geld haben willst, spare die Hälfte von dem was du verdienst, wenn du reich werden willst, gib höchstens ein Drittel aus.“  Wohlstand wird nicht geschaffen, indem man auf Kredit konsumiert, indem Banker für das Umschichten von Geld bezahlt werden, indem funktionstüchtige Autos verschrottet werden, oder indem Industrien, die keiner mehr braucht, mit Millionen subventioniert werden. Das ist keine nachfrageorientierte Politik, das ist keine antizyklische Konjunkturmaßnahme, das ist schlichtweg Verschwendung.

Zweitens: 30 Prozent mehr Lohn

Warum die sinkenden Löhne niemanden freuen sollten.

Man darf fragen, warum die Banken in Amerika  umbedingt tausende von Krediten vergeben wollten. Man kann sich fragen, warum die Amerikaner so wild auf das schnelle Geld waren, dass sie alle Vernunft vergaßen. Es scheint, als hätten die einen zu viel Geld gehabt, und die andern zu wenig.
Seit langem sinken nicht nur in Amerika die Reallöhne. Statt ihre Arbeiter für die verrichtete Wertschöpfung zu bezahlen, trugen die Unternehmer in den vergangenen Jahen ihr Kapital lieber auf die Bank.
Der Grund dafür, dass der amerikanische Konsum  dennoch ungeahnte Höhenflüge erreichte, liegt darin, dass das Kapital der Unternehmer über Umwege doch noch die Geldbeutel der Arbeiter erreichte: Indem diese sich bei den Banken verschuldeten, beschafften sie sich nötige Kapital für den Konsum. Leider haben Kredite einen Nachteil: Man muss sie zurückzahlen. Die amerikanischen Haushalte hatten das schnelle Geld bald aufgebraucht. Jetzt mussten sie nicht nur für sich selbst, sondern auch für die steigenden Zinsen aufkommen, für die Rendite der reichen Kaste. Da blieb nicht viel Spielraum für Kosum.
Es sind also letztendlich auch die sinkenden Reallöhne, die für den Zusammenbruch der Weltwirtschaft verantworlich sind: Wären die Amerikaner fair bezahlt worden, hätten sie ihr Wachstum nicht auf Pump finanzieren müssen. Bei höheren Löhnen hätte auch weniger Geld auf den Banken herumgelegen, es wären weniger faule Kredite vergeben worden. Die Amerikaner hätten ihre Häuser aus der Lohntüte bezahlt, mit ehrlich erarbeitetem Geld. Die Immobilienblase wäre keine Blase gewesen, sondern ein echter Boom. Hätte man die arbeitende Bevölkerung auch in andernen Teilen der Welt an den Gewinnen der Kapitalisten  beteiligt, dann wäre uns diese Krise vielleicht erspart geblieben. „Autos kaufen keine Autos“, sagte Henry Ford.

Please kill POSTBANK

Aaahrg! Die POSTBANK hat mir 5,90 Euro Kontoführungsgebühr abgebucht, für mein “garantiert KOSTENLOSES Schülerkonto”. Und die Frau am Schalter will mir das Geld nicht geben, sondern ich muss so ein gammeliges Formblatt ausfüllen, das dann erst mal nach Hamburg geht und dort dann “IRGENDWANN IN DEN NÄCHSTEN WOCHEN” bearbeitet wird. Wie auf dem Finanzamt!
Wenn ich das Geld bis zum 22. April nicht wiederhabe, kündige ich das Konto. Das war das erste und letzte Mal, dass ich Kunde der POSTBANK geworden bin.
Please kill POSTBANK!

thx

Edit:
Der dritte Beamte, den ich genervt habe, hat mir dann endlich geholfen. Es scheint, als sei “versehentlich” ein kostenpflichtiges Konto eröffnet worden. Wenn ich Glück hab, wird das in ein paar Wochen geändert und ich bekomme mein Geld zurück. Wenn nicht… please kill…

Eilmeldung: “Phantomfrau” existiert wahrscheinlich nicht

Die unbekannte “Phantomfrau”, die seit Jahren polizeilich gesucht wird und mehrere Menschen ermordet haben soll, gibt es vermutlich gar nicht: Nach einer Meldung von SpiegelOnline haben vermutlich DNA-Verunreinigungen auf den verwendeten Wattestäbchen zu der falschen Annahme geführt. Die DNA stammt nach Informationen des STERN von einer Arbeiterin, welche die Wattestäbchen in der Fabrik verpackt hat.
Jetzt ergeben all die zweifelhaften Umstände einen Sinn. An einer Schule in meiner Stadt sind kürzlich Schüler eingebrochen, und haben ein paar Sachen kaputt gemacht. Anschließend fand die Polizei wieder Spuren von der Phantomfrau. Die These: Die Frau ist nach den Schülern in die Schule eingebrochen, hat eine Coladose angefasst und ist wieder abgehauen. Abernteuerlich. Und so etwas hat ganz Deutschland geglaubt!?! Mir ist die Sache ein bisschen peinlich…

Der seltsame Fall des Benjamin Button

Ich mag ja Brad Pitt nicht. So ein Schönling. Vielleicht wäre ich auch wirklich nicht reingegangen, wenn ich vorher schon gewusst hätte, dass der Film drei Stunden dauert. Aber ich wusste es nicht und außerdem spielt Cate Blanchett mit, und sie hat rote Haare. Also habe ich mir die Karte dann doch gekauft.

„Der seltsame Fall des Benjamin Button“ ist die Geschichte eines Mannes, der als Greis geboren wird. Der Arzt glaubt, dass er bald sterben wird, aber Benjamin (Brad Pitt), der bei seiner Geburt so groß ist wie ein ganz normales Baby, wächst heran und wird dabei immer jünger. Mit sechs Jahren, als seine alten Gelenke gerade laufen gelernt haben, lernt er Daisy (unter anderm gespielt von Cate Blanchett) kennen. Es ist Liebe auf den ersten Blick, aber er ist ein alter Mann und sie ist ein Kind.

Der Film begleitet Benjamin durch sein Leben, nur selten werden ein paar Jahre übersprungen. Er begegnet Menschen, die wissen, dass sie ihre Träumle längst verloren haben und solchen, die das nicht einsehen wollen. Und immer wieder ist da Daisy. Sie ist die Frau, für die er bestimmt ist, das weiß er. Aber es dauert lange, bis das Schicksal ihnen eine Chance gibt.

Dass dabei kaum Langeweile aufkommt, liegt nicht nur am tricktechnischen Leckerbissen eines greisen Brad Pitt, sondern auch an den wunderbar romantischen Bildern, die den Zuschauer mitnehmen auf eine Reise durch das vergangene Jahrhundert. Der Hafen von New York in den Zwanzigern, der Winter im Hotel in Moskau, kurz vor Ausbruch des Krieges – eine Mischung aus Melancholie und Sehnsucht, ohne dass man weiß wonach.

„Der seltsame Fall des Benjamin Button“ ist keine stupide Komödie über einen Mann, der immer jünger wird. Es ist eine Geschichte über die Liebe, die stärker ist als alles Andere und ein Film darüber, dass es nie zu spät ist im Leben. Anschauen!

Meine Welt in zehn Jahren

Der Baulärm schlägt mir entgegen, als ich in Krakau aus dem Intercity steige. Es ist 11 Uhr am 19. Juni 2020 und die Polen bauen an ihrem Hauptbahnhof, als hätte es die Rezession der letzten Jahre nie gegeben. Ich komme gerade aus Berlin, hatte gestern ein Gespräch bei der TAZ. Es ist immer noch der gleiche linke Schuppen wie früher, aber sie wollen mich für eine kleine Serie von Reportagen haben, also was solls. Und Berlin ist toll, aber ich lebe gerne in Krakau. Im Moment muss ich allerdings erst mal den Weg aus dem Bahnhof finden. Das ist wegen der Baustelle ziemlich schwierig. Und es nervt. Erstens, weil ich der Meinung war, ich würde mich so langsam in dieser Stadt auskennen, und zweitens, weil ich jetzt schnell nach Hause will. Mein ältester Sohn ist fünf und gibt im Kindergarten schon mit seinem Vater an. (Ich würde niemals zugeben, dass ich ich mich darüber freue.) Meine Frau ist älter als er, und mittlerweile zum dritten Mal schwanger. (Von mir!) Die Ärzte sagen, es wird ein Mädchen, aber das sagen sie immer. Als ich vor dem Bahnhof stehe, fällt mir ein, dass ich eigentlich auf die andere Seite wollte, zur Straßenbahn. Also noch ein mal durch das ganze Gewühl hindurch, an Buden vorbei, die diese trockenen krakauer Gebäckringe verkaufen und dann durch die Galeria Krakowska auf die andere Seite. Draußen scheint die Sonne.

In der Straßenbahn ist es heiß. Ich setzte mich nicht hin, weil ich immer Angst habe, dass mich wieder irgendein schlechtgelaunter Rentner zur Schnecke macht, weil ich seiner Gattin meinen nicht Platz angeboten habe. Alter hat Vorrecht, also versuche ich es gar nicht erst.

Außerdem bin ich in meinem Kopf viel zu beschäftigt. Das Angebot von der TAZ ist eine gute Sache. Über Polen soll ich schreiben, was mich an dem Land fasziniert. Jetzt lebe ich schon fast zehn Jahre hier und in Berlin erwarten sie, dass ich immer noch fasziniert bin. Nun ja, ich werde ihnen schon etwas zusammenschreiben. Eine der Reportagen wird wohl von den neuen Bahntrassen handeln: Berlin- Warschau in 4 Stunden, das ist wirklich nicht schlecht. Und typisch polnisch die Lösung für das rollende Material: Es sind die alten deutschen ICE’s, die Berlin, Warschau und Krakau miteinander verbinden. Komplett neue Inneneinrichtung, bequeme Sitze, viel Platz. Aber trotzdem billig, da gebraucht gekauft.

Neben mir hält sich ein Student an dem Gestänge fest. Er schaut mich an und mir fällt auf, dass ich mal wieder mit mir selbst spreche. Verdammt, ich bin Journalist, ich muss mir doch meine Sätze zurechtlegen dürfen! Ich halte die Klappe und schaue durch die großen Scheiben auf die Straße dahinter. Noch vor fünf Jahren fuhren hier jeden Tag tausende Autos, jetzt gehört die Straße den Fußgängern und Radfahrern.Und den Straßenverkäufern, die den Touristen billigen Kitsch andrehen, und den Zettelverteilen, die zu Tausenden an jeder Ecke stehen und tonnenweise Flyer verteilen. Autos gibt es nur noch in den Außenbezirken, wer in die Stadt will, nimmt die Tram. Was leider dazu führt, dass es jetzt verdammt eng ist. Zum Glück bauen sie jetzt an zwei neuen U-Bahn-Linien, dann geht es endlich etwas schneller. Und ich habe wieder etwas, worüber ich schreiben kann. Poczta Glowna. Hier muss ich raus. Die letzen Meter nach Hause muss ich zu Fuß schaffen.

Die Fassaden der alten Häuser brökeln im Sommerlicht. Die Bodenplatten unter meinen Füßen sind gebrochen. Nicht auf die Rillen treten! Aber es ist ja wieder Geld da jetzt, und die Baugerüste werden häufiger. Wenn hier in ein paar Jahren alles in kräftigen Farben erstrahlt, werde ich das alte, das graue Krakau vielleicht vermissen. Was solls. Solange die Preise moderat bleiben, gefallen mir auch die renovierten Wohnungen. Die Straße ist voller Fahrräder, viele davon mit kleinen Anhängern. Die Menschen gehen in der Mittagspause etwas essen, oder sie kaufen für den Abend ein. Ich grüße den Obdachlosen in der Einfahrt vom Nachbarhaus. Er schläft in der Hitze.

In der Einfahrt zum Hinterhof ist es kühl und schattig. Wir wohnen im ersten Haus, ganz unten. Ich klopfe an die schwere Tür, klingele. Meine Frau öffnet. Sie hat den Kleinen auf dem Arm.

Ein Kuss.

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